SKN-Kurs – Sinn oder Unsinn?


Das "Wieso?"

Im Rahmen der „Kampfhunde“-Hysterie und dem schlimmen Beissunfall, der sich in Oberglatt zugetragen hatte, wurde von Politikern die Idee ins Leben gerufen, alle Hundebesitzer besser ausbilden zu lassen. Hundehalter wurden vielfach medial als zu wenig kooperativ, verantwortungslos oder inkompetent angesehen. Vor allem Kampfhundebesitzer wurden in der Öffentlichkeit oft als asozial dargestellt. Demzufolge müssen heute alle Hundehalter in der Schweiz mit jedem neuen Hund einen obligatorischen Sachkundenachweis erlangen - den sogenannten SKN-Kurs. Dieser soll Vorfälle, wie sich in Oberglatt zugetragen haben, künftig verhindern!

Allein schon diese generalisierte Verpflichtung unterstützt, nach unserem Verständnis, unsere mediale Aussage vom März 2006, wo wir klarstellten, dass in der Schweiz kein Kampfhundeproblem existiert, wie es von Seiten der Medien und Nichthundehalter behauptet wurde. Ansonsten müssten logischerweise nur die Besitzer der stigmatisierten Rassen diesen Kurs besuchen. Vielmehr liegt jedoch ein „Hundehalter“-Problem vor, welchem die Tatsache zugrunde liegt, dass diese schlecht oder ungenügend ausgebildet werden. Nichthundehalter sollen somit nun beruhigt sein.

Vielen Hundehaltern fehlt eine seriöse, fundierte Grundausbildung. Dies ist nicht von der Hand zu weisen, das sind auch unsere Erfahrungen. Viele Hunde zeigen sich im Alltag zu wenig kooperativ und dies, obschon mit diesen Tieren in Hundeschulen trainiert wurde. Somit wäre die Idee, höhere Standards in Hundeschulen zu fordern, grundsätzlich richtig. Doch wenn man heute die Realität betrachtet, kann man sich dem Eindruck nicht verwehren, dass hier eine „Alibi-Übung“ im Gange ist, die nichts mit auffälligen Hunden zu tun hat.

 

Die Massnahme: der SKN-Kurs

Richten wir doch zu Beginn unsere Aufmerksamkeit auf die Aufnahmeverfahren der zukünftigen „SKN-Trainer.“ Was für Kriterien fordern diese „SKN-Qualitäts-Kurse“ von ihren Trainern, die später tieradäquat, verantwortungsvoll und zielorientiert Menschen und ihre Hunde ausbilden sollen?

Keine!

Grundsätzlich ist der SKN-Kurs für alle frei zugänglich, es gibt keine Hürden! Höchstens eine finanzielle. Dieser Kurs gibt vor, SKN-Trainer in nur ca. 20 Tagen dazu zu befähigen, Hundehalter/Hundehalterinnen „seriös“ ausbilden zu können. Somit könnten auch Sie morgen diesen Kurs besuchen - und sich nach ca. 20 Tagen SKN-Ausbildner/in nennen, eine Hundeschule eröffnen und Kurse anbieten.

Bestandteile des SKN-Kurses sind u.a. Rechtskunde, Gruppendynamik, Physiologie, Ernährung, erste Hilfe usw. An dieser Stelle soll die Frage erlaubt sein, was dies mit schwierigen, verhaltensauffälligen Hunden zu tun hat?

Um zu verstehen, was dieser Kurs im Alltag zu leisten vermag, fokussieren wir in den folgenden Beispielen auf die Lerninhalte und deren Umsetzung im Alltag. Diese Ereignisse haben sich tatsächlich so zugetragen:

Eine Kundin der Hunde(führer)schule Oberthaler musste den SKN-Kurs extern besuchen, weil wir diesen zur Zeit nicht anbieten.

Sie meinte nach ihrem ersten SKN-Training: „Heute haben wir etwas Tolles gemacht mit unseren Hunden. Wir sind Zug gefahren! Das heisst, nicht wirklich, wir haben Zugfahren simuliert, mit vier Stühlen auf dem Hundeplatz.“  

Eine andere Kundin, die an einem anderen Ort den SKN-Kurs besuchte, erklärte: „Wir haben heute das „ins Auto einsteigen“ geübt. Ein Hund wollte über 1 ½ Std. partout nicht ins Auto einsteigen. Die SKN-Trainerin meinte nur: Da muss man eben Geduld aufbringen, irgend einmal will er dann schon einsteigen.“  


Und noch eine Kundin erzählte:

„Wir haben das Entgegenkommen fremder Hunde geübt. Da hatte es einen Hund dabei, der schoss bei jeder Gelegenheit aggressiv in die Leine, sobald er einen anderen Hund erblickte! Die SKN-Trainerin meinte überzeugt: Das ist nur pubertäres Verhalten, das wächst mit der Zeit raus.“

Bei so viel Sachverstand sind wir nur noch sprachlos! Gerade das letzte Beispiel zeigt deutlich, wie ernst man die Problematik dieser Kurse nehmen muss. Wir könnten die Liste beliebig weiter führen. Solche Beispiele sind nicht die Ausnahme, sondern vielmehr die Regel.

 

 Philosophie oder Ausbildung

In diesem Metier solche Aussagen zu hören ist nichts Aussergewöhnliches. Es ist und war früher schon so, dass sich gewisse kynologische Kreise als sehr „fortschrittlich“ und „modern“ verstanden haben. Wenn man mit ihnen über Ausbildungskonzepte und Effizienz sprach, wurde vielfach der immer gleiche Satz angefügt: „Wir arbeiten ausschliesslich mit positiver Bestärkung.“

Wir finden „positiv zu sein“ und zu bestärken ist kein Ausbildungskonzept, vielmehr eine Grundhaltung. Ähnlich wie Eltern, die sicherlich ihren Kindern gegenüber positiv und wohlgesinnt sein sollten. Sie sollten alles in ihrer Macht stehende versuchen, um das Kind über positive Verhaltensmuster zu erziehen. Am besten indem man das gewünschte Verhalten selbst vorlebt. Und trotzdem weiss jede Mutter und jeder Vater, dass gewisse Rahmenbedingungen zum Wohle des Kindes gesetzt werden müssen, unabhängig davon, ob das Kind es gerade so toll findet.

Ein bestimmter Rahmen erzeugt Sicherheit, in dem sich die Kinder frei entfalten können und dies wiederum erzeugt Vertrauen und Stabilität. Aus diesem Grund hofften wir, dass dieser SKN-Kurs ein wirklicher Leistungsträger werden könnte und keiner verkaufsträchtigen „Philosophie“ folgt. Doch genau das Gegenteil scheint der Fall zu sein.

So verwundert es nicht, dass heute vielfach gerade Personen aus diesen oben genannten kynologischen Kreisen den SKN-Kurs anbieten. – Endlich haben sie etwas, was sie vereint.

 

Auswüchse, oder wo man gerne wegschaut.

Im Jahr 2007 mussten wir selbst jemanden, der bei uns in der Ausbildung zum Schutzhundetrainer stand, fristlos aus dem Praktikum entlassen. Wir stellten fest, dass sie unser Anforderungsprofil nicht erfüllen konnte. Es wurde uns auch von verschiedensten Stellen zugetragen, dass diese Person im Alltag mit tierquälerischen Methoden arbeitete. So jemand sollte nach unserem Verständnis nicht mit Hunden arbeiten dürfen. Diese Person machte wenig später die SKN-Ausbildung, eröffnete selber eine Hundeschule, gibt uns als Referenz an und unterrichtet jetzt den SKN-Kurs.

Auch dies ist kein Einzelfall.

Viele SKN-Trainer scheinen ein einziges Konzept zu haben, nämlich den SKN-Kurs selbst.

Man muss sich nur vorstellen, es gibt über 500‘000 Hunde in der Schweiz und jeder neu angeschaffte Hund muss, aufgrund eines vom Gesetz verordneten Zwangs, einen SKN-Hundekurs besuchen. Wow, was für ein Geschäft! Das ist beinahe so, wie wenn man Bienen den Honig auf einem goldenen Tablett serviert.

Geld kann nach unserem Verständnis jedoch Seriosität nicht ersetzen.

Die Konsequenzen dieser Art von Politik schwappen schon längst über, Menschen von denen man vorher nicht einmal gewusst hat, dass sie überhaupt einen Hund besitzen, bieten nun auf ihren hochfrisierten Webseiten diese Kurse an. Es dreht sich alles um den SKN-Kurs!

„Alle“ sind zufrieden.

Zufrieden sind fast alle. Die Politiker haben etwas gemacht, was scheinbar die Gemüter beruhigt. Die Ausbildungsstätten, die solche „Trainer“ ausbilden dürfen, verdienen sich eine goldene Nase mit Preisen, die irgendwo zwischen Fr. 3‘000.- und Fr. 6‘000.- pro Ausbildungsplatz anzusiedeln sind. Hundeschulen, die diesen Kurs nun anbieten können, sind auch sehr zufrieden, schliesslich sind die Hundehalter gezwungen, ihre „Philosophien“ zu besuchen. Nur der Hundehalter scheint der Geprellte zu sein.

Auch ältere Menschen straft man ab. Wir wissen von einigen älteren Menschen, die bei uns mit ihren Hunden trainiert haben, dass sie bei Ableben ihres geliebten Vierbeiners keinen neuen Hund mehr anschaffen wollen. Menschen, die zum Teil seit über 50 Jahren Hunde besitzen und nie negativ aufgefallen sind - sie wollen sich diesen Unsinn nicht mehr antun .

A propos Unsinn: Wir in unserer Hunde(führer)schule haben Kunden, die diese SKN-Kurse anbieten dürfen. Soll das heissen, falls wir uns in Zukunft einen neuen Hund kaufen würden, müssten wir die Kurse unserer Kunden besuchen?

 

 

Vor dem Gesetz über den Sachkundenachweis

Bevor das Gesetz der generalisierten Abmahnung der Hundehalter in Kraft trat, wurden wir gemeinsam mit anderen Hundeschulen, die schon länger mit den verschiedensten Veterinärämtern zusammen arbeiten, nach Bern eingeladen, wo uns das neue SKN-Konzept vorgestellt wurde. Wir sollten somit vorher schon die Gelegenheit erhalten, unsere Schule zertifizieren zu lassen. Dies hätte es uns ermöglicht, von Anfang an selbst SKN-Trainer ausbilden zu dürfen.

Da wir jedoch kein „Konzept“ anbieten können, das in nur zwanzig Tagen fähige Trainer/Trainerinnen hervorzaubern kann, verzichteten wir darauf. Unsere Trainerausbildung geht über mehrere Jahre und beinhaltet vor allem eine tieradäquate und lösungsorientierte Ausbildung, die man im Alltag integrieren muss. Auch hier gilt: Das Geld kann kein Motor für seriöse Ausbildung sein.

Wir klärten beim Veterinäramt ab, ob es nicht möglich wäre, keine SKN-Trainer auszubilden, jedoch den Erstkurs für Hundehalter/Hundehalterinnen nach unserem hochwertigen Ausbildungskonzept anbieten zu dürfen. Dem Veterinäramt sind leider die Hände gebunden, da dies auf Gesetzesebene verankert wurde. Im Klartext heisst das:

Wir dürfen weiterhin mit verhaltensauffälligen, gefährlichen Hunden arbeiten, das ist kein Problem. Von vielen Veterinärämtern werden wir sogar explizit empfohlen. Veterinärämter kontaktieren uns, wenn es um die Abklärung von gefährlichen Hunden geht, wir erstellen Gutachten usw. Aber wenn wir den Erst-Hundehalter ausbilden wollen, also den SKN-Kurs anbieten möchten, wird dies nicht akzeptiert. Wir müssten zuerst ca. Fr. 5‘000.- auf den Tisch legen und eine zwanzigtägige Ausbildung machen. Wichtige Themen wie „Rechtskunde und Gruppendynamik“ hätte man dann auch schon integriert?!

Oder sollten wir einfach einen ausgebildeten SKN-Trainer aus unserem Kundenkreis engagieren?

 

Wir fragen uns

Wieso hat man das Anforderungsprofil der Hundeschulen nicht ernsthaft erhöht, um solche Auswüchse zu vermeiden? Wieso hat man die Hundeschulen nicht wirklich in die Pflicht genommen und gesagt: „Ihr müsst besser und effizienter ausbilden“? Wieso trägt man diese Last nun den Hundehaltern zu? Selbst denen, die seit Jahrzenten Hunde halten und eine Vorbildfunktion innehaben?

Wieso hat man nicht einen anerkannten Beruf des „Hundetrainers“ ins Leben gerufen? Ähnlich wie es für Pferde mit dem Beruf „Bereiter“ schon längst möglich ist? Hätte man zu viel Geld investieren müssen? Wäre der Aufwand zu gross gewesen? Hätten zu viele Vereine und private Hundeschulen dieses Anforderungsprofil nicht erfüllen können?

Es geht nach unserem Verständnis nicht darum, was uns dieser SKN-Kurs kosten würde, es geht um Seriosität. Wir bilden Hundetrainer mehrere Jahre aus. Dabei sind diese in unserem Alltagstraining integriert, um optimal lernen zu können. Es braucht auch mehrere Jahre, um diesen „Beruf“ gekonnt und seriös ausüben zu können. Gerade der neue Hundehalter bräuchte den besten Trainer, um von Anfang an alles richtig zu machen.

Es scheint sich zurzeit keine Änderung abzuzeichnen, wieso auch - es wird ja mächtig Profit gemacht.

Die Hunde(führer)schule Oberthaler ist ihren Weg immer konsequent gegangen. Ihre Entwicklung war bisher unabhängig von Strömungen oder momentanen „Hypes“. Unsere Kunden drängen uns jedoch schon länger, diese 20 Tage abzusitzen, sie möchten diesen SKN - „Beschäftigungstrip“ am liebsten bei uns machen. Wir werden sehen, wie sich diese Sache noch weiter entwickelt und was für Möglichkeiten wir haben.

Hunde(führer)schule Oberthaler

Andy Oberthaler

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